Es war ein Akt der schieren Verzweiflung. Trainer Ivan Markow wollte in der Schlussphase dieses eine Tor für seinen TuS Erndtebrück mit der Brechstange erzwingen. Als er den gelernten Innenverteidiger Mehmedalija Covic nach 88 Minuten für Haluk Arslan auf den glitschigen Kunstrasen schickte, sollte der lange Bosnier es noch irgendwie richten. „Hoch und alle Mann vor“, hätte man in früheren Zeiten diesen letzten Schritt des Coachs beschrieben, das sich anbahnende 0:0 im Oberliga-Duell mit dem SV Schermbeck doch noch irgendwie abzuwenden. Indes – es half nichts mehr.

Wieder blieb der TuS ohne Tor. Covic bekam keine Gelegenheit, seine Kopfballstärke unter Beweis zu stellen, weil einfach kein hoher Ball mehr in die Nähe des Fünfmeterraums gelangen wollte. „Wir benötigen jetzt schon zehn hundertprozentige Möglichkeiten, um mal zu treffen“, rechnet Ivan Markow vor. Ein Dilemma, das er mit einem weitaus drastischeren Ausdruck beschreibt: „Eine Katastrophe, das ist einfach das falsche Verhältnis.“ Nun, es war alles, wie vor einer Woche in Gievenbeck.

Der TuS bemühte sich um ansehnlichen Fußball, bekam das auch über weite Strecken auf die Reihe, an der Strafraumgrenze aber blieb alles – oder sagen wir zumindest vieles – Stückwerk. Der letzte Pass, manchmal auch schon der vorletzte, stach nicht. Und wenn sich doch die Chance bot, wurde sie vertan. So in der 14. Minute, als die wenigen Getreuen im jetzt abnehmenden Schneetreiben den Torschrei auf den Lippen hatten, das erstmals als vorderste Spitze eingesetzte Eigengewächs Murat Yazar, aus Nahdistanz aber am gut reagierenden Gäste-Torhüter Cedric Drobe, der per Fußabwehr klärte, scheiterte.

Philipp Böhmer, der kurz darauf einen Schritt zu spät kam. Ein Versuch von Alexander Mißbach aus der Distanz, der weit drüber flog, die Möglichkeit des emsigen Taira Tomita – es sollte einfach nicht sein. Eine Pausenführung wäre klar verdient gewesen, was auch Schermbecks Trainer Thomas Falkowski so gesehen hatte. „Das 0:0 nach 45 Minuten war äußerst glücklich.“ Er hatte das Pech, seinen Spielmacher Patrick Rudolph schon beim Warmmachen verletzt vom Platz führen zu müssen. „Er hat uns mit seinen Ideen gefehlt“, erklärte der Coach das wenig durchdachte Schermbecker Spiel.

Ein 2:0 oder 3:0 für den TuS hätte die Kräfteverhältnisse beim Pausengang richtig wiedergegeben. Aber es waren ja noch 45 Minuten Zeit für die Erndtebrücker, die mit zunehmender Spieldauer immer mehr Druck entfachten, aber einfach nicht den Weg zum "goldenen Tor" fanden. Der 18-Meter-Schuss von Mehdi Reichert in der 56. Minute ebenso wenig, wie der gut getimte Freistoß von Haluk Arslan (84.). Beide Male war der gute Drobe auf dem Posten.

Als dann vier Minuten vor dem Abpfiff auch der eingewechselte Erlon Sallauka, dessen Schuss vom Schermbecker Malte Grumann abgefälscht wurde, aufkommenden Jubel abbrechen musste, weil der Ball um eine Winzigkeit am linken Torpfosten vorbeitrudelte, blieb nur noch der Verzweiflungs-Akt namens Covic. Als auch dessen Kurzeinsatz mit dem Schlusspfiff beendet war, blieb nur eins: Die Hoffnung auf Freitag richten, auf einen guten Rückrundenstart gegen die Sportfreunde bauen und die Hinrunde schnell aus den Köpfen zu verbannen.

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