Es hat bereits zwei enge Duelle der beiden Kreisrivalen in dieser Saison gegeben. Das erste – um Punkte in der Oberliga – entschieden die Sportfreunde Siegen im August mit 3:2 für sich. Das zweite – im Viertelfinale des Kreispokals – ging im Elfmeterschießen an den TuS Erndtebrück. Gerade mal drei Wochen sind seitdem vergangen. Heute Abend kommt es am Pulverwald zur dritten Derby-Auflage zwischen Wittgenstein und Siegerland. Die Oberliga verabschiedet sich damit in die Winterpause. Der Winter aber hat seine Fühler längst ausgestreckt, der erste Schnee hat den Kunstrasen an der Eder überzuckert, frostige Temperaturen sorgen zudem dafür, dass diese letzte Partie des Jahres zur Hängepartie werden könnte.

Wir haben in den letzten Tagen problemlos trainieren können“, beschreibt Erndtebrücks Trainer Ivan Markow die Begebenheiten. „Ich gehe davon aus, dass das Spiel angepfiffen wird.“ Die Entscheidung wird gegen Mittag erwartet, wenn die Platzkommission den Kunstrasen begutachtet hat. Gibt das Gremium grünes Licht, liegt die letzte Entscheidung am frühen Abend, wenn sich die Gegebenheiten noch einmal verändert haben können, beim Schiedsrichter.

Dominik Dapprich, der Trainer der Sportfreunde, hat seine Zweifel. „Ich empfand die Bedingungen bereits vor drei Wochen als grenzwertig. Und jetzt haben wir praktisch Dauerfrost. Ich finde, wir dürfen das Verletzungsrisiko nicht außer Acht lassen. Da haben wir als Trainer den Spielern gegenüber eine Sorgfaltspflicht.“

Nun, dies sind sicher keine guten Vorzeichen, die Entscheidung aber liegt nicht in den Händen der Protagonisten. Für die gilt es, die Spannung zu halten, das in der Vorbereitung auf diese Partie erarbeitete taktische und fußballerische Verhalten irgendwie auf den Platz zu bringen, wie immer sich der anfühlen mag, wenn die Kugel dann rollt.

Die junge Sportfreunde-Mannschaft ist es, die in der gerade beendeten Oberliga-Hinrunde die aus heimischer Sicht erfreulichen Akzente setzte. Dominik Dapprich beschreibt das so: „Wir haben drei Punkte mehr als Erndtebrück und stehen in der Tabelle sechs Plätze besser. Das haben wir uns erarbeitet und das wollen wir natürlich bestätigen.“ Keine Frage: Wenn eines der beiden Teams Selbstbewusstsein verströmt, dann das der Siegener. Kaum jemand hätte damit gerechnet, dass die „jungen Wilden“ aus dem Leimbachtal den tollen Start mit sieben Spielen ohne Niederlage trotz einiger Rückschläge und großen Verletzungspechs durch die erste Serie transportieren.

Das hatten die so genannten Fachleute eher dem TuS Erndtebrück zugetraut, dem Regionalliga-Absteiger, der im DFB-Pokalspiel dem großen Hamburger SV vor dem Start in die Saison Paroli bot. „Wir haben einiges an Nackenschlägen einstecken müssen“, blickt Dapprichs Pendant Ivan Markow auf die Hinserie zurück, in der man nicht aus den Startlöchern kam, sich schwer tat und vor allem in der Offensive Schwächen offenbarte.

Inzwischen hat der Erndtebrücker Trainer Fortschritte erkannt. „Fußballerisch“, so Markow, „sind wir auf einem sehr guten Weg. Gut wäre es, wenn gerade im Derby bei dem einen oder anderen Spieler auch in Sachen Chancenverwertung der Knoten platzt.“ Der Coach spricht die großen Mängel an, die sein Team in Sachen Toreschießen an den Tag gelegt hat. 20 Treffer hat der TuS erzielt, nur Schlusslicht Gütersloh hat weniger aufzuweisen.

Das Thema Spielanlage zeigt bei den beiden Kreisrivalen Parallelen. Die Trainer, die sich gut kennen und oft auch über Fußball austauschen, legen Wert auf fußballerische Lösungen. „Darin sind wir uns ähnlich“, lächelt Dominik Dapprich. „Wir sind ja auch praktisch eine Generation.“ Mit 29 (Dapprich) bzw. 33 Jahren (Markow) gehören die beiden Trainer zur „jungen Garde“ der Oberliga-Trainer, beide verfolgen ähnliche Spielweisen. An den beiden dramatischen Duellen dieser Saison lässt sich das ablesen. Offensive ist Trumpf in Siegen und Erndtebrück. Die Wege haben sich zwar ein wenig getrennt, „doch daran arbeiten wir“, will Ivan Markow den TuS aus den düsteren Tabellenregionen führen.

Das Personal, das beide zur Verfügung haben, birgt dabei kaum Überraschungen. Beide Teams haben ihre Sorgen, Veränderungen sind marginal. So könnten die geplanten Kurzeinsätze der lange verletzten Siegener Okay Yildirim und Ryo Suzuki den Unterschied machen oder aber der am Sonntag in der letzten halben Stunde eingesetzte Erndtebrücker Nico Renner. Der bislang nur in der Landesliga eingesetzte Offensivmann steht auf dem Sprung zur festen Größe im Markow-Kader.

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