"Jetzt können wir gut gelaunt in die Weihnachtspause gehen.“, meinte Ivan Markow. Der Trainer des TuS Erndtebrück beendete das Oberliga-Jahr mit dem guten Gefühl, einen Derby-Sieg errungen zu haben. Bei Minustemperaturen am Pulverwald hatte sein Verein gerade das Rückspiel gegen die Siegener Sportfreunde mit 2:1 (1:0) gewonnen, nach Punkten mit dem Kreis-Konkurrenten gleich gezogen und endlich mal wieder einen Vorsprung auch über die zittrige Schlussphase gerettet.

„Am Ende hat man gesehen“, so Markow, „dass wir einfach Angst vor dem Gewinnen haben.“ Als nämlich Siegens Lennart Dreisbach eine Viertelstunde vor Schluss nach 2:0-Führung den Anschusstreffer erzielte, zeigte sich das dünne Nervenkostüm der Wittgensteiner. „Oft genug haben wir in den letzten Minuten noch wichtige Punkte verloren“, erinnerte der Coach an so manches Spiel, das in der Schlussphase noch aus der Hand gegeben wurde.

Diesmal hatte es gereicht. Die Sportfreunde warfen in den letzten Minuten zwar alle Mann nach vorne. Trainer Dominik Dapprich schickte mit Marc Steffen Freund und Luigi Valido weitere Offensivkräfte ins Rennen und am Ende stürmte auch Keeper Christoph Thies mit in den Strafraum. Das 2:2 konnte noch fallen, verdient wäre es insgesamt nicht gewesen.

Denn die Platzherren waren über die vollen 90 Minuten gesehen die bessere Mannschaft. Vor allem im ersten Durchgang waren klare Vorteile für die Erndtebrücker zu verzeichnen. Schnell und direkt liefen die Kombinationen. Vorne machte sich der Einsatz des zuvor lange nicht berücksichtigten Lukas Rösch positiv bemerkbar. Er war Anspielpunkt auch beim Führungstreffer in der 42. Minute, als er den langen Ball kurz ablegte und Haluk Arslan so freie Bahn zum 1:0 verschaffte. Der Schuss aus 18 Metern war für Christoph Thies im Siegener Tor nicht zu halten.

Dennoch: Die in der Hinrunde oft erlegte „Torschuss-Panik“ der Erndtebrücker war auch in diesem Derby festzustellen. Chancen durch Philipp Böhmer und Pablo Schmitt wurden nicht genutzt, sodass es den Siegenern drei Minuten vor dem Rückstand fast gelungen wäre, selbst einen Treffer zu erzielen. Von der rechten Seite fand die flache Hereingabe von Masahiro Endo am Fünfmeterraum den frei stehenden Okay Yildirim. Der traf jedoch den Ball nicht voll, sodass dieser am rechten Pfosten vorbeitrudelte.

Nach dem Seitenwechsel hatten sich die Sportfreunde einiges vorgenommen. Mit erhöhtem Pressing machten sie das Mittelfeld dichter, standen höher und kamen vermehrt zu Ballgewinnen. Nach vorne indes schafften sie sich keine Freiräume. Auch weil die Erndtbrücker Defensive konzentriert agierte und nicht viel zuließ. Und als sich schließlich Mehdi Reichert ein Herz fasste, zum Solo ansetzte, drei Gegenspieler austanzte und dann gefühlvoll ins lange Eck traf, war mit dem 2:0 nach 61 Minuten die Vorentscheidung gefallen.

„Durch“ aber waren die Platzherren damit nicht. Die vom Trainer beschriebene „Angst vor dem Gewinnen“ machte es möglich, das in der Folge Lukas Rösch (64.) und Pablo Schmitt (72.) mit dem möglichen 3:0 den berühmten Sack nicht zu machten. Die Siegener kamen zum Anschlusstreffer. Zu mehr allerdings sollte es an diesem Abend nicht reichen.

Es war im Übrigen der letzte Auftritt des Erndtebrücker Co-Trainers Jürgen Klappert. Der langjährige Weggefährte von Ivan Markow gibt sein Amt aus beruflichen Gründen auf. „Wir widmen ihm diesen Sieg“, so Markow zum Abschied des Assistenten, der sich zuvor noch darüber freuen durfte, dass Youngster Nico Renner einen Zweieinhalb-Jahres-Vertrag unterschrieb und nun fest im Oberliga-Kader steht.

Schiedsrichter: Lars Lehmann - Zuschauer: 495
Tore: 1:0 Haluk Arslan (41.), 2:0 Mehdi Reichert (61.), 2:1 Lennart Dreisbach (76.)

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