Großartig gekämpft, tolle Moral gezeigt und nah dran an der faustdicken Überraschung: Fußball-Bezirksligist Germania Salchendorf hat sich im Kreispokal-Halbfinale gegen den Oberligisten TuS Erndtebrück von seiner besten Seite gezeigt, doch letztlich hatte der haushohe Favorit das bessere Ende für sich. Die Wittgensteiner mühten sich am heutigen Maifeiertag vor 310 zahlenden Zuschauern am Salchendorfer „Wüstefeld“ zu einem 3:2 (2:2, 1:0)-Sieg nach Verlängerung und machten den Einzug ins Endspiel perfekt. Hier kommt es am 29. Mai zu einem Wittgensteiner Duell gegen den Landesligisten VfL Bad Berleburg, der den A-Kreisligisten SpVg Neunkirchen nach hartem Kampf knapp mit 3:2 bezwungen hatte (FuPa Südwestfalen berichtete).

„Glückwunsch an Erndtebrück. Aber auch Glückwunsch an meine Mannschaft. Sie hat eine überragende Leistung gezeigt. Wir waren sehr nah dran an der Überraschung. Daher bin ich auch ein wenig traurig, aber der Stolz überwiegt eindeutig“, erklärte Salchendorfs Trainer Thomas Scherzer gegenüber FuPa.

Stolz können auch die Erndtebrücker sein: Zwar nicht auf ihre Leistung, dafür aber auf den Einzug ins Kreispokal-Finale, in dem sie letztmals 2017 standen, seinerzeit aber mit 1:3 gegen den 1. FC Kaan-Marienborn verloren. „Das war ein hartes Stück Arbeit für uns. Wir haben es bestimmt nicht gut gemacht, aber letztlich sind wir verdientermaßen ins Endspiel gekommen“, bilanzierte Erndtebrücks Interimstrainer Michael Müller und fügte hinzu: „Es war klar, dass das in dieser stimmungsvollen Atmosphäre kein Selbstläufer werden würde. Und genau so ist es gekommen.“

Dabei erwischten die Wittgensteiner einen Start nach Maß. Bereits nach sechs Minuten wuchtete Abwehrspieler Mehmedalija Covic einen Freistoß von Mehdi Reichert per Kopf zum 1:0 ins Netz. Danach beschränkten sich die pomadig spielenden Erndtebrücker aber nur noch auf das Nötigste, sodass es im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit nur noch einmal vor dem Kasten der Salchendorfer gefährlich wurde, als Abbas Attia im Anschluss an eine Ecke abzog, und Thomas Klöckner das Leder für seinen bereits geschlagenen Torwart Dustin Lohmann von der Torlinie kratzte (38.). „Wir hatten in der ersten Halbzeit kein Tempo in unseren Aktionen. So haben wir den Salchendorfern das Verschieben leicht gemacht“, analysierte TuS-Coach Michael Müller, dem in der 34. Minute der Atem stockte, als Marcel Rigau-Badenas plötzlich frei vor Torwart Niklas Knopf auftauchte, jedoch an ihm scheiterte.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Schockmoment für die Gäste. Lukas Rösch musste mit Verdacht auf Bänderverletzung im rechten Fuß ausgewechselt werden. Und so, wie der baumlange Angreifer nach dem Abpfiff vom Platz humpelte, dürfte sicher sein: Er wird dem TuS im Oberliga-Abstiegskampf wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.

Die nächste Schrecksekunde für die Wittgensteiner war dann sportlicher Natur, als Thomas Klöckner eine Ecke an den Innenpfosten drehte (60.). Keine 120 Sekunden später „brannte“ es dann auf der anderen Seite „lichterloh“, doch Germania-Abwehrrecke Jan-Philipp Gelber rettete in höchster Not und klärte den Schuss von Abbas Attia noch vor der Torlinie. Nur zwei Minuten später konnte sich Abbas Attia dann aber doch als Torschütze feiern lassen – sein Treffer zum 2:0 schien die Vorentscheidung zu sein.

Doch von wegen! Salchendorf steckte nicht auf, stemmte sich mit großer Leidenschaft gegen die Niederlage. Und die großartige Moral der Johannländer wurde erstmals nach 72 Minuten belohnt, als der eingewechselte Alexander Völkel einen von Pablo Schmitt an Tim Schilk verursachten Foulelfmeter zum 1:2 verwandelte.

Und es sollte noch besser kommen für die Germanen: Acht Minuten vor Schluss fiel der Ball nach einer Ecke dem aufgerückten Marius Jung vor die Füße. Der ließ sich nicht zweimal bitte und jagte das Leder zum umjubelten und nicht mehr für möglich gehaltenen 2:2 in die Maschen. Getragen von ihren lautstarken Anhängern schafften es die Salchendorfer, das Remis in die Verlängerung zu bringen.

Doch hier erwies sich der Oberligist als kaltschnäuzig und effizient. Die 98. Minute: Ecke Haluk Arslan, Kopfball Manfredas Ruzgis, drin das Ding – der Favorit führte wieder. Die Germanen gaben aber auch jetzt nicht auf. Sie mobilisierten ihre letzten Kraftreserven und versuchten mit dem Mute der Verzweiflung, noch einmal den Ausgleich zu schaffen. Bei Marius Jungs Fallrückzieher hatten die Fans den Torschrei auf den Lippen, aber der Ball strich über das Tor. Und auch nach der Gelb-Roten Karte gegen TuS-Akteur Mehmedalija Covic wollte den tapferen Johannländern kein Tor mehr glücken, so dass es für sie hieß: Raus mit Applaus!

„Die Jungs haben die taktischen Vorgaben hervorragend umgesetzt, sehr diszipliniert gespielt und aufopferungsvoll gekämpft. Dass wir bei dem Wetter und gegen einen Oberligisten nach einem 0:2-Rückstand noch einmal zurückgekommen sind, ist schon bemerkenswert. Selbst in der Verlängerung haben wir den Erndtebrückern Paroli geboten. Ich bin stolz auf die Mannschaft. Sie hat in den vergangenen Wochen nicht gut gespielt, heute hat sie aber einiges zurückgegeben. Leider hat das i-Tüpfelchen gefehlt“, lobte Germanen-Coach Tomas Scherzer, der einen ausdrücklichen Dank an das Publikum für die „tolle Unterstützung“ richtete.

Der TuS Erndtebrück greift indes Ende Mai nach dem Kreispokal – gegen den Wittgensteiner Rivalen VfL Bad Berleburg. Speziell für die Fußball-Fans aus dem Altkreis ist dieses Endspiel ein ganz besonderer Leckerbissen.

fupa.net