Was für ein Abschluss für Michael Müller als Trainer des TuS Erndtebrück und was für ein Resultat des TuS, das die ziemlich durchwachsene Saison des Fußball-Oberligisten immerhin versöhnlich enden lässt: Mit 7:1 (4:1) fertigte die Mannschaft vom Pulverwald den zwei Klassen tiefer spielenden VfL Bad Berleburg im Kreispokal-Endspiel ab und sicherte sich somit die Kreis-Krone und den Start im Westfalenpokal. „Ich bin stolz auf die Truppe. Wir haben die Partie sehr ernst genommen und einen guten Auftritt hingelegt“, lobte der scheidende Linienchef sein Team, das vor gut 800 Zuschauern in Banfe von Beginn an der Herr im Haus war. Manfredas Ruzgis (2.) und Taira Tomita (4.) ließen die erste Warnschüsse auf das von Christian Badura gehütete VfL-Gehäuse ab, bevor der Pfosten gegen Abbas Attia für den geschlagenen Schlussmann retten musste (6.).

Sechs Minuten später klingelte es dann aber. Nach einer Attia-Flanke wurde ein Versuch von Philipp Böhmer noch geblockt, der Nachschuss von Mehdi Reichert zappelte im Netz. Vom VfL war bis dahin so gut wie nichts zu sehen, aber dennoch kam der Landesligist plötzlich zurück ins Spiel. TuS-Keeper Paul Schünemann rannte Tarek Benyagoub, der sich den Ball am Schlussmann vorbei gelegt hatte, ungeschickt über den Haufen, sodass Schiedsrichter Felix Weller keine andere Wahl blieb, als auf den Punkt zu zeigen. Schünemann verletzte sich dabei allerdings auch selbst und musste in seinem letzten Spiel im TuS-Trikot nach gut einer Stunde ausgewechselt werden. Ahmad Ibrahim ließ sich davon allerdings nicht beirren und traf vom Strafstoßpunkt zum Ausgleich. Doch das war es auch von den Kurstädter, die wenig später Glück hatten, dass Ruzgis einen Badura-Aussetzer nicht zur erneuten Führung nutzte, sondern aus 18 Metern knapp über das leere Tor lupfte (24.).

Dieses Glück hatte der Schlussmann zwei Minuten später nicht mehr, als er nach einem Attia-Freistoß von der halblinken Seite zu spät am Ball war und Sven Engelke zum 2:1 in das verwaiste Tor einnickte. Bis zur Pause sorgten Böhmer aus 16 Metern nach einem Fehler von Torben Birkelbach (29.) und Manfredas Ruzgis, der nach einem gewonnen Laufduell mit Birkelbach auch noch an Badura vorbei ging und lässig einschob (42.), mit zwei weiteren Treffern schon für die Vorentscheidung sorgte. „Wir haben uns ein bisschen selbst bestraft. Nach dem 1:1, wo wir die Chance hatten, das Spiel offener zu gestalten, führen zwei individuelle Fehler zu den Gegentreffern“, haderte VfL-Trainer Martin Uvira mit den Unkonzentriertheiten seiner Mannschaft.

Und genauso ging es nach dem Seitenwechsel auch weiter. Erst seit einer knappen halben Minute hatte Weller das Spiel wieder laufen lassen, als Alexander Missbach, gegen einen sich immer mehr hängen lassenden VfL, der bei zwei Aluminium-Treffern von Tomita und Ruzgis noch Glück hatte, per Flachschuss den fünften TuS-Treffer folgen ließ (46.). Für die Erndtebrücker wurde das Spiel so mehr zu einem mit viel Spaß verbundenen Trainingsspiel. Attia, mit einem Zuckerpass von Reichert frei vors Tor gespielt, ließ sich vor Badura aufreizend viel Zeit, führte ein kleines Tänzchen im Fünfmeterraum auf, bevor er das Leder zum 6:1 versenkte (53.). Bad Berleburg strahlte dagegen nur durch zwei Distanzschüsse von Ibrahim einen Hauch von Gefahr aus. Auf der anderen Seite versuchte der TuS immer noch ein Schleifchen um die Spielzüge zu machen, verpasste so einen noch höheren Erfolg, unter den Ruzgis eine Viertelstunde vor Schluss mit einem an ihm verübten Elfmeter den Schlussstrich zog. „Wir sind natürlich sehr zufrieden mit unserem Spiel. Diesen Sieg waren wir dem Verein und dem Ort aber auch einfach schuldig“, so der Doppeltorschütze nach dem Spiel.
Dass es am Ende „nur“ sieben Gegentreffer wurden, dafür sorgte dann nochmal Badura, der erst gegen Reichert stark hielt und dann kurz vor dem Ende erst Murat-Kaan Yazar von den Beinen holte, den daraus Resultierenden Strafstoß aber gegen den gefoulten hielt. Für das einzige echte TuS-Malheur sorgte Manfredas Ruzgis, auffälligster Spieler an diesem einseitigen Final-Abend, bei der Feier nach dem Abpfiff. Den Inhalt des überdimensionalen Bierglases wollte der bullige Stürmer eigentlich über das Haupt seines scheidender Trainer kippen, rutschte aber aus, das Glas zersprang in hunderte Stücke und der Inhalt verteilte sich auf dem Asphalt. „Der Trainer hat einen taktisch klugen Laufweg genommen und mich auf den Teer gelockt,“ lachte Ruzgis über das Missgeschick, das aber an diesem Abend keinen Erndtebrücker mehr wirklich interessierte...

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