Es hatte sich angekündigt: Beim Oberliga-Duell zwischen dem TuS Erndtebrück und Westfalia Herne, das mit einem 2:2 (1:2)-Remis endete, waren es die beiden lautstarken und emotionalen Trainer, TuS-Coach Alfonso Rubio Doblas und auf der Gegenseite Hernes Christian Knappmann, die zunehmend die Aufmerksamkeit auf sich zogen. Der Linienrichter musste häufiger einschreiten und beide Trainer ermahnen, nachdem diese laut geworden waren oder ihre Coaching Zone verlassen hatten.

Knappmann geriet zum Ende der Partie jedoch besonders in den Fokus: Erst mit unsportlichem Zeitspiel, als er einen zweiten Ball aufs Spielfeld warf. Dann bei der anschließenden Pressekonferenz – und zwar durch Abwesenheit. Knappmann habe schlichtweg „keinen Bock“ gehabt, sich zu äußern, musste am Ende Erndtebrücks Stadionsprecher Henning Lindner erklären. Daher monierte Rubio Doblas: „Knappmanns Verhalten ist nicht korrekt. Ich kann nicht am Platz herum krakeelen, alles beleidigen, was im Weg steht und dann nach einem 2:2 nicht auf der Pressekonferenz erscheinen. Das zeugt von fehlender Größe.“
Sportlich zeigten die Wittgensteiner nach einer schwachen Anfangsphase samt 0:2-Rückstand Moral und strichen nach der 1:2-Niederlage in Schermbeck wieder etwas Zählbares ein. Vor 150 Zuschauern konnte Erndtebrück erstmals wieder auf Abwehrchef Mehmedalija Covic bauen, der Maximilian Schneider auf die Bank verdrängte. Zudem startete Burak Yildiz für David Jäger.

Doch auch mit Covic wirkte die Abwehr nicht unbedingt stabiler als in der Vorwoche. Nach einer kurz ausgeführten Ecke wurde Hernes Kai Hatano nicht entscheidend attackiert und schoss die Gäste in Front (12.). Wenig später konterte Herne mustergültig. Nach einem langen Ball und zwei Seitenwechseln stand Hatano blank am zweiten Pfosten und schnürte seinen Doppelpack (21.). Der Gast hatte danach Pech, als Nazzareno Ciccarelli am Querbalken scheiterte (34.). Es blieb nicht der einziger Herner Lattentreffer: Auch für Michael Smykacz (58.) und Nicolai Pakowski (78.) war das Aluminium Endstation. „Auch deswegen war der Punkt glücklich. Es freut mich aber, dass die Spielweise des Gegners und das grenzwertige Tamtam an der Seitenlinie heute nicht belohnt wurde“, erklärte Rubio Doblas.

Dass am Ende noch ein Zähler heraus sprang, lag daran, dass Erndtebrück sich nach verschlafenem Beginn zurück in die Partie kämpfte: Manfredas Ruzgis tankte sich nach Ballgewinn robust bis in den Sechzehner durch, wurde dort von Kerem Sengün gefällt und hämmerte den anschließenden Strafstoß souverän unter die Latte (41.). Nach dem Seitenwechsel hatte Murat-Kaan Yazar den Ausgleich auf dem Fuß, schoss aber freistehend am Tor vorbei (49.). Doch Ruzgis machte es nach einer scharfen Hereingabe von Abbas Attia besser und drückte die Kugel zum Ausgleich über die Linie (63.).

Das läutete eine offene Schlussphase ein, in der Ruzgis per Kopf (71.) und Reichert mit einem Freistoß (81.) die besten Chancen der Hausherren verbuchten. Am Ende urteilte TuS-Trainer Rubio Doblas: „Wenn man sich die Tabelle anschaut, war der Punkt wohl zu wenig, weil Siegen und Kaan gewonnen haben. Unterm Strich müssen wir aber auf uns schauen. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie Charakter und Moral hat. Und jetzt werden wir genau so versuchen, bis zur Winterpause weitere Punkte zu holen.“
Schiedsrichter: Stefan Tendyck (VfB Kirchhe.) - Zuschauer: 150
Tore: 0:1 Kai Hatano (12.), 0:2 Kai Hatano (21.), 1:2 Manfredas Ruzgis (41 Foulelfmeter), 2:2 Manfredas Ruzgis (63.)

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