Am „Tag der deutschen Einheit“ hatte beim TuS Erndtebrück heute nur einer was zu feiern: nämlich der Kassenwart! 668 Zuschauer (Saisonrekord) pilgerten zur Pulverwald-Kampfbahn, darunter etwa die Hälfte Mönchengladbach-Fans aus der Umgebung und von noch weiter her, viele in „Kutten“ und mit anderen VfL-Devotionalien geschmückt - und vor allem: allesamt friedlich. Das grün-weiße Völkchen sorgte somit für einen teils stimmungsvollen Nachmittag im Wittgensteiner Land. Aber eben nur teils - der Rest war zum Vergessen!

Viermal hat der Aufsteiger jetzt Heimspiele in Erndtebrück ausgetragen, einmal musste man nach Siegen ausweichen, am Samstag zum zweiten Mal . Dabei gab es unter Wittgensteiner Himmel ein Unentschieden und drei saftige Niederlagen (Torverhältnis: 3:11). Keine Frage: der heimische Pulverwald verkommt in der Regionalliga mehr und mehr zum „Verpulverwald“!

Und diesmal schenkten die Schützlinge von Trainer Florian Schnorrenberg gegen den Bundesliga-Nachwuchs vom Niederrhein die Partie fast schon freiwillig her, nimmt man jedenfalls die Taten des Keepers zum Maßstab.

Samuel Aubele, aus Rostock auf die Höhen des Rothaargebirges gewechselt und am Samstag für seine bravouröse Elfmeter-Tat in Dortmund noch in höchsten Tönen gelobt, wehrte schon nach zwei Minuten eine flache Hereingabe von links so ähnlich wie jenen Elfmeter ab: in die Mitte des Strafraumes wo der freistehende Thomas Kraus nur noch abzustauben brauchte - viel blöder kann ein Spiel gegen eine spielstarke Nachwuchs-Mannschaft aus einem der Bundesliga-Leistungszentren kaum beginnen!
Erndtebrück schüttelte sich kurz und fing dann das Fußballspielen von vorne an, sogar mit Torerfolg in der 22. Minute, als Tim Treudes Geschoss aus 20 Metern durch Freund und Feind dem verdutzten Keeper durch die Hosenträger ins Netz knallte. Aber von Freund und Feind stand zumindest ein Freund nicht nur im Abseits (Jan-Patrick Kadiata), was an sich nicht schlimm war, denn Kadiata griff nicht ein, aber er versperrte nach Meinung des zuständigen Linienrichters Torhüter Tim-Oliver Hiemer die Sicht - und damit war es dann doch schlimm.

Ähnlich trocken zog der Gladbacher Marcel Benger in der 37. Minute ab, von halbrechts am Strafraum nach halblinks ins Erndtebrücker Tor, wo Aubele zwar abtauchte, das Leder aber nicht zu fassen bekam.

Was es bedeutet, gegen „die beste Defensive der Liga“ (Trainer Schnorrenberg) zur Pause 0:2 zurück zu liegen, wusste der Trainer und ahnten die Zuschauer: überhaupt nichts Gutes. Sieben Gegentore haben sich die Schützlinge des vom Borussen-Anhang mit Sprechchören gefeierten Idols Arie van Lent in zehn Liga-Spielen erst abgeholt. Und der TuS Erndtebrück war nun einmal nicht die Mannschaft, die die Fähigkeiten gehabt hätte, diese Bilanz des neuen Tabellenzweiten nachhaltig zu erschüttern.
Zwei Schüsse gab es in der zweiten Hälfte zu notieren, in der die „Blauen“ zwar engagierter und etwas aggressiver zu Werke gingen, die „Grünen“ aber erstklassig geordnet und diszipliniert verteidigten und aufgrund ihrer individuellen Klasse nie nervös oder hektisch agierten.

Im Gegenteil. Abwehrchef Oliver Stang, 29-jähriger Team-Oldie, einer der hinten nach dem Motto spielt: „Ich bin Oliver Stang, und du musst noch viel lernen“, zeigte in der 81. Minute der verdutzten TuS-Hintermannschaft bei einer Eckball-Hereingabe an den kurzen Pfosten, wie man Tore macht und köpfte zum 3:0-Endstand ins lange Eck. Ja, da musste die gesamte Erndtebrücker Hintermannschaft noch einiges dazulernen.
Schiedsrichter: Julian Engelmann - Zuschauer: 668
Tore: 0:1 Thomas Kraus (2.), 0:2 Marcel Benger (36.), 0:3 Nils Rütten (82.)

Quelle fupa.net